Stefan Zweig

Redaktion


Stefan Zweig ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller aus Österreich. Er wurde 1881 in Wien geboren und setzte seinem bewegten Leben 1942 in Brasilien ein Ende. Die zahlreichen Kurzgeschichten und Novellen, welche seiner Feder entstammen, wurden in viele verschiedene Sprachen übersetzt. Besonders bekannt sind seine Biografien von geschichtsträchtigen Personen, wie zum Beispiel Marie Antoinette. Der einzige vollendete Roman Zweigs lautet auf den Namen Ungeduld des Herzens. Stefan Zweig durchdringt in seinen Werken die komplexen Wesenszüge der menschlichen Psyche in skalpellhafter Manier und bringt diese eindrucksvoll aufsPapier. Zweig vermag es wie kein anderer, menschliche Gefühle und die ergebnislose Suche nach dem Glück gefühlvoll und brillant niederzuschreiben. Durchzogen von einer geheimnisvollen Melancholie durchstöbern Zweigs Werk geheime Ecken der menschlichen Psyche.

Leben

Am 28. November 1881 erblickte Stefan Zweig als Kind von Moritz Zweig und Ida Brettauer in Wien das Licht der Welt. Gemeinsam mit seinem Bruder Alfred wuchs er nahe dem Stadtzentrum in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Es besteht keine Verwandtschaft zu dem aus Deutschland stammenden Schriftsteller Arnold Zweig.

1899 meisterte Zweig an einem Gymnasium in Wien die Reifeprüfung, um anschließend an der Universität Wien Philosophie zu studieren. Vorlesungen wurden jedoch selten von ihm besucht, umso mehr fesselte das Schreiben für die Neue Freie Presse seine Aufmerksamkeit. Geleitet wurde diese vom Redakteur Theodor Herzl, welcher sofort in die Fähigkeiten von Zweig vertraute. So wurde bereits 1901 der erste Gedichtband von Stefan Zweig veröffentlicht. 1904 folgte mit Die Liebe der Erika Ewald seine erste Novelle.

Neben seinem schriftstellerischen Schaffen war Stefan Zweig zudem als Übersetzer und Journalist tätig. Ausgedehnte Reisen führten ihn bis in das heutige Südostasien und nach Amerika. So erlangte er Kontakt zu anderen namhaften Künstlern, mit denen er sich rege austauschte. Während des Ersten Weltkriegs zog Zweig in die Schweiz und kehrte erst nach Kriegsende wieder nach Österreich zurück. Er zog nach Salzburg in das Paschinger Schlössel auf dem Kapuzinerberg und heiratete die Witwe Friderike Winternitz. Zeit seines Lebens setzte sich der dem intellektuellen Kreis angehörende Zweig gegen den Nationalismus ein.

1928 reiste Zweig in die damalige Sowjetunion, wo seine Bücher auf Initiative des berühmten Maxim Gorki auf Russisch erschienen. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wuchs der Druck auf die jüdische Bevölkerung und so auch auf Stefan Zweig.

Da vor allem engagierte Intellektuelle wie er im Fadenkreuz des Regimes standen. Nachdem 1934 sein Haus durchsucht wurde, entschied er sich, tief getroffen, nach England auszuwandern. Die Nationalsozialisten setzten Zweig 1935 in die Liste der verbotenen Autoren und ließen seine Bücher verbrennen. Interessant ist allerdings die Tatsache, dass er damals in Österreich noch sehr geschätzt wurde, während er im Deutschen Reich als unerwünscht galt.

Auf internationaler Ebene betrachtet blieb Zweig zu dieser Zeit einer der meistverkauften und –gelesenen Autoren. 1938 wurde seine Ehe geschieden, da er schon seit längerer Zeit ein intimes Verhältnis mit seiner Sekretärin Charlotte Altmann pflegte. Dennoch hielt er den Kontakt zu seiner vorherigen Ehefrau aufrecht. Aus Angst davor, von den Briten als feindlicher Ausländer in ein Internierungslager geschickt zu werden, floh Stefan Zweig 1940 über viele Stationen nach Brasilien. Zutiefst betrübt und ihrer Heimat beraubt nahmen sich Stefan und Lotte Zweig 1942 in Petrópolis das Leben. Zweig hinterlässt einen Abschiedsbrief, in welchem er klarstellt, dass er sich aus freiem Willen und mit klarem Geist entschieden hat, diesen Weg zu gehen.

Themen in Zweigs Werken

Vor allem Zweigs Prosawerke und die ausgefeilt erzählten Biografien mit Romanähnlichkeit erfreuen sich nach wie vor größter Beliebtheit. Betrachtet man sein gesamtes Werk, stechen vor allem die vielzähligen Novellen und Erzählungen auf historischer Basis heraus.

Fast allen Werken Zweigs liegt etwas zutiefst Melancholisches, Resignierendes und Dramatisches zugrunde. Oft finden seine Novellen, Geschichten und Erzählungen ein tragisches Ende. Das Glück erscheint in den meisten seiner Werke so greifbar nah, nur um im letzten Moment aus den Fingern zu entwischen. Dabei kommen immer wieder die Verzweiflung und die Abgründe der menschlichen Psyche zum Vorschein, welche Zweig als Meister seines Faches vortrefflich zu beschreiben versteht. Große Vorbilder Stefan Zweigs waren unter anderem Honoré de Balzac und Arthur Schnitzler. Auch Sigmund Freund, dessen Grabrede Zweig verlautbarte, zählte zu seinen Inspirationsquellen.

Das wohl bekannteste Werk Zweigs dürfte bei Weitem die Schachnovelle sein. In ihr werden die Themen Faschismus und Isolation eingehend behandelt. Zweig war überzeugter Pazifist und ordnete diesem Ideal alles unter. Er ging sogar so weit zu behaupten, dass Schriftsteller unter keinen Umständen politische Rollen einnehmen sollen. Wer Zweig liest, wird schnell seine klare und brillante Sprache sowie seine Fähigkeit, komplizierte Gefühlsregungen mit großer Kraft und klar darzustellen, schätzen. Wie kein anderer vermag er es seine Leser*innen mit scheinbar trivialen Inhalten schon ab der ersten Seite zu fesseln. Als Einstieg, um Stefan Zweig besser kennenzulernen, empfiehlt sich das autobiografisch gehaltene Buch Die Welt von Gestern.

Werke

Angeführt findest du die wichtigsten von Stefan Zweigs vielzähligen Werken. Darunter auch sein einziger Roman und eine beachtliche Anzahl an Novellen, Gedichten und Erzählungen.

Roman

Ungeduld des Herzens (einziger vollständiger Roman von Stefan Zweig)

Wichtige Novellen

Die Liebe der Erika Ewald (1904 erste veröffentlichte Novelle)
Der Zwang (1920)
Brief einer Unbekannten (1922 Novelle)
Amok (1922 Novelle)
Angst (1925 Novelle)
Schachnovelle (1942 Novelle)

Weitere Werke

Sternstunden der Menschheit (1927)
Der Flüchtling: Episode vom Genfer See (1927)
Joseph Fouché (1929)
Marie Antoinette (1932)
Begegnungen mit Menschen (1937)
Magellan: Der Mann und seine Tat (1938)
Die Welt von Gestern (1942)

Posthum veröffentlichte Werke

Zeit und Welt (1943, Aufsätze)
Amerigo (1944)
Legenden (1945)
Balzac (1946)

Preise und Auszeichnungen

Stefan Zweig wurde 2017 posthum der Orden vom Kreuz des Südens von der Regierung Brasiliens verliehen. Die Auszeichnung wurde von der österreichischen Botschafterin an der letzten Lebensstätte Zweigs (Casa Zweig in Petrópolis) entgegengenommen. In Rio und São Paulo wurden außerdem Straßen nach ihm benannt und die Pädagogische Hochschule in Salzburg trägt seinen Namen.

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