Joseph Roth

Redaktion


Joseph Roth war ein österreichischer Schriftsteller und Journalist. Er wird häufig der Neuen Sachlichkeit zugeordnet, auch wenn er sich selbst von dieser Strömung distanzierte. Nach seiner Kindheit in Brody (damals Österreich-Ungarn) verbrachte er viele Jahre in Wien und Berlin, bevor er 1939 in Paris starb. Seine Werke reichen von Reportagen, Essays, Erzählungen, bis hin zu Romanen.

Sein Schaffen als jüdischer Autor war vor allem von jüdischer Geschichte, der Frage nach Heimat und dem Untergang der Habsburger Monarchie geprägt. 1933 ging er nach Paris ins Exil. Dort arbeitete er an mehreren Exilzeitschriften mit. Roths Leidenschaft für die Politik durchzog nicht nur sein Schreiben, sondern auch sein persönliches Leben. Allerdings brachte ihm das vor allem am Ende seines Lebens viel Enttäuschung ein. Er wurde alkoholkrank und verstarb schließlich vereinsamt in einem Pariser Armenspital.

Leben

Kindheit und frühe Jugend

Joseph Roth wurde am 2. September 1894 in Brody geboren, das im damals österreich-ungarischen Galizien lag. Brody galt als sogenanntes Schtetl, eine Bezeichnung für kleine Siedlungen mit überwiegend jüdischen Einwohner*innen in Osteuropa vor dem Zweiten Weltkrieg. Seine Mutter Maria Grübel entstammte einer Kaufmannsfamilie, sein Vater Nachum Roth arbeitete als Getreidehändler. Bei einer Geschäftsreise wurde Nachum wegen seines auffälligen Verhaltens im Zug verhaftet und wegen einer Geisteskrankheit in eine Anstalt geschickt. Seine Verwandten schickten ihn heimlich zu einem Rabbiner, wo er Jahre später von seinem Schwager wiedergefunden wurde. Sein Zustand hatte sich jedoch so verschlechtert, dass Nachum nicht zu seiner Familie zurückkehren sollte.

Roth wuchs also ohne einen Vater auf. Um seine Kindheit ranken sich viele Mythen, die er selbst in seinen Texten kreierte. Vor allem der abwesende Nachum wurde in seinen Erzählungen oft zur ausgeschmückten Heldenfigur. Roth verneinte auch oft, in Brody geboren zu sein. Stattdessen gab er Schwaby als seinen Herkunftsort an, eine Siedlung mit vorrangig deutschstämmigen Einwohner*innen. Ebenso behauptete Roth häufig, in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen zu sein. Die Wahrheit war jedoch, dass seine Mutter einen gutbürgerlichen Status aufrechterhielt. Roth hatte eine gute Ausbildung und lernte mehrere Sprachen an einem teuren Gymnasium.

Was die Familie jedoch heimsuchte, war die Abwesenheit des Vaters. Im Judentum Galiziens galten psychische Erkrankungen, also „Wahnsinn“, als Fluch Gottes. Nachums Krankheit lag also schwer auf dem Ruf der gesamten Familie, weswegen kaum von ihm gesprochen wurde.

Studium und Erster Weltkrieg

1913 begann Roth in Lemberg Philosophie zu studieren. Er verbrachte dabei viel Zeit in Wien und bereits ein Jahr später immatrikulierte er sich dort an der Universität im Fach Germanistik.

Ein besonders wichtiges Ereignis für Joseph Roth war der Erste Weltkrieg und damit der Zerfall Österreich-Ungarns. Dieser Moment von Heimatverlust und der Untergang einer Monarchie wurden später zu einem zentralen Thema seiner schriftstellerischen Arbeit. Seine pazifistische Haltung wandelte sich bald in eine kämpferische und er meldete sich freiwillig für den Kriegsdienst. Im August 1916 begann seine Ausbildung als Einjährig-Freiwilliger.

Den Großteil seiner Kriegszeit verbrachte Roth wohl im militärischen Pressedienst, auch wenn er später oft behauptete, in Kriegsgefangenschaft geraten zu sein. Bereits während seines Kriegsdienstes begann er, für Zeitschriften zu schreiben. In diesem Umfeld lernte er auch seine spätere Frau Friederike Reichler kennen.

Tätigkeit als Journalist, erste schriftstellerische Arbeit

So begann seine Karriere als Journalist. In den folgenden Jahren schrieb er für viele deutsche und österreichische Zeitungen, darunter auch die renommierte Frankfurter Zeitung. 1923 begann er auch seinen ersten Roman Das Spinnennetz zu schreiben, der jedoch unvollendet blieb.

Als Reisereporter bereiste er unter anderem die Sowjetunion, Albanien und Italien.

1922 heiratete er Friederike, die ebenfalls aus einer galizisch-jüdischen Familie stammte. Roth erwies sich als ein äußerst eifersüchtiger Ehemann. 1926 zeigte Friederike erste Symptome einer geistigen Erkrankung, die sich stetig verschlechterte. Die Krankheit galt als unheilbar. Wie bereits in seiner Kindheit wurde Joseph Roth mit der jüdischen Überzeugung konfrontiert, geistige Krankheiten seien Gottes Strafe. Er begann zu trinken und konnte den Zustand seiner Frau kaum ertragen. Friederike zog schwer krank von einer Anstalt in die nächste, bis sie schließlich entmündigt wurde. Roth ließ sich daraufhin von ihr scheiden. 1940 wurde sie in die NS-Tötungsanstalt Hartheim gebracht, wo sie starb.

Friederikes Krankheit verfolgte Roth sein ganzes Leben. Er hatte später eine Affäre mit Sybil Rares, einer jüdischen Schauspielerin und lebte einige Zeit mit Andrea Manga Bell, einer Redakteurin, zusammen. Später hatte er eine Beziehung mit der Schriftstellerin Irmgard Keun, die jedoch aufgrund seiner Eifersucht zerbrach.

Exil und Tod

Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 beschloss Roth, ins Exil nach Paris zu fliehen. Er unternahm viele Reisen und es gelang ihm für eine Weile, als Journalist tätig zu bleiben. In seinen letzten Jahren ging es jedoch rapide bergab, vor allem aufgrund seiner Alkoholsucht. Er hauste verarmt in einem kleinen Zimmer in Paris, bevor er nach einem öffentlichen Zusammenbruch in ein Armenspital gebracht wurde. Dort starb Joseph Roth am 27. Mai 1939 an einer Lungenentzündung.

Themen

Durch die Vielseitigkeit seiner Arbeit ist es schwierig, Joseph Roth in eine eindeutige Strömung der Literatur einzuordnen. Vor allem seine frühen Romane weisen Elemente der Neuen Sachlichkeit auf. Aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit, für die er vor allem bekannt war, sah er sich mehr als Handwerker – Fakten, Authentizität und konventionelle Sprache sind seine Merkmale, trotz der Lügen über seine Kindheit.

Jedoch schwankte er über die Jahre in seiner politischen Überzeugung. Mal zeigte er sich der Monarchie kritisch gegenüber, mal schwelgte er in nostalgischen Erinnerungen über die Habsburger. Später sah er das Modell der Monarchie als einziges Gegenmittel gegen die Diktatur der Nationalsozialisten.

Als Zeuge des Untergangs der habsburgischen Monarchie und aufgewachsen in einer jüdischen Siedlung in Osteuropa waren der Verlust und die Bedeutung von Heimat zentrale Themen für Joseph Roth. Geprägt durch die Abwesenheit seines Vaters ziehen sich Entwurzelung und Einsamkeit durch seine Werke.

Werke

Joseph Roth war sowohl als Journalist als auch als dramatischer Autor sehr produktiv. Er hinterlässt eine lange Liste an Werken, von denen nur wenige unvollständig blieben.

Romane

  • Das Spinnennetz
  • Hotel Savoy
  • Die Flucht ohne Ende
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes
  • Radetzkymarsch
  • Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht
  • Die Kapuzinergruft

Erzählungen und Novellen

  • Der Vorzugsschüler
  • Juden auf Wanderschaft
  • Triumph der Schönheit
  • Die Legende vom heiligen Trinker
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