Haruki Murakami (in japanischer Reihenfolge der Namen Murakami Haruki) ist ein japanischer Autor von Kurzgeschichten und Romanen, der vor allem phantastische und teils surrealistische Bücher verfasst. Er gilt als einer der einflussreichsten japanischen Autoren der Gegenwart und als einer der wichtigsten Vertreter der literarischen Postmoderne insgesamt. Die Bücher von Haruki Murakami sind auch außerhalb Japans bekannt und wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt.

Vita

Haruki Murakami wurde 1949 in Kyoto geboren. Er wuchs in Kobe auf und interessierte sich bereits früh für westliche Literatur. Nach seinem Schulabschluss nahm er ein Studium der Theaterwissenschaften und des Drehbuchschreibens an der Waseda-Universität auf. Nach dem Studium lebte er für einige Jahre in Europa und den USA. 1995, nach dem Erdbeben von Hanshin und dem Giftgas-Anschlag auf die Tokioter U-Bahn, kehrte er endgültig nach Japan zurück, wo er seitdem lebt. Mit dem Schreiben begann Haruki Murakami im Alter von 29 Jahren, nachdem er beim Beobachten eines Baseball-Spielers plötzlich wusste, dass er in der Lage ist, einen Roman zu schreiben. Noch in derselben Nacht begann er seine Arbeit an Hear the Wind Sing.

Themen

Obwohl viele seiner Romane in Japan spielen, sind sie stark von westlicher Kultur und Literatur geprägt und geben teils ein westlich gefärbtes Bild japanischer Orte ab. Murakami selbst ist stark durch westliche Literatur und vor allem Musik beeinflusst, was in Japan zum Teil kritisch gesehen wird. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit übersetzte Murakami Werke von Raymond Chandler, John Irving und Truman Capote ins Japanische, arbeitete als Gastprofessor in Princeton und leitete eine Zeit lang einen Jazzclub in Tokio. Er nimmt an mehreren Marathon-Läufen im Jahr teil, ist nach wie vor begeisterter Jazz-Fan und hat eine Sammlung von mehr als 40.000 Schallplatten.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Wilde Schafsjagd – hitsuji o meguru bōken (1982, dt. 1991)

Wegen eines für eine Werbekampagne verwendeten Fotos wird der Ich-Erzähler gezwungen, sich auf die Suche nach einem Schaf mit übersinnlichen Fähigkeiten zu begeben. Gemeinsam mit den auf Deutsch bisher nicht erschienenen ersten beiden Romanen von Murakami (Hear the Wind Sing und Pinball, 1973) bildet Wilde Schafsjagd die Trilogie der Ratte.

Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt – sekai no owari to hādoboirudo wandārando (1985, dt. 1995)

Im Tokio der Gegenwart – genannt „hard-boild wonderland“ – und einer phantastischen Parallelwelt, die „Ende der Welt“ heißt, muss der jeweilige Ich-Erzähler einen an ihm durchgeführten Datendiebstahl zunächst überleben und dann aufklären. Der Roman springt zwischen den beiden Welten, die Kapitel spielen abwechselnd in der jeweils einen oder anderen.

Naokos Lächeln  – noruwei no mori, (1987, dt. 2001)

In Rückblenden erinnert sich der Erzähler Toru Watanabe an Naoko, die Freundin seines Jugendfreundes Kizuku, der sich mit 17 Jahren unvermittelt das Leben genommen hat. Zwischen Freundschaft und Liebe ist es weder Naoko noch dem Erzähler möglich, den Verlust zu überwinden. Naokos Lächeln wurde 2009 von Trần Anh Hùng in Japan verfilmt, feierte 2010 Premiere bei den Filmfestspielen in Venedig und kam 2011 in die deutschen Kinos.

Tanz mit dem Schafsmann – dansu dansu dansu (1988, dt. 2002)

Der Ich-Erzähler versucht, die Trennung von seiner Frau zu verarbeiten, indem er sich auf die Suche nach seiner eigenen Vergangenheit in Form einer früheren Geliebten macht. Ihm zur Seite steht beratend der weise Schafsmann, sein Alter Ego. Tanz mit dem Schafsmann ist die Fortsetzung zu Wilde Schafsjagd, wird jedoch nicht wie dieses und die beiden Vorgängerbücher zur Ratten-Reihe gezählt.

Gefährliche Geliebte – kokkyō no minami, taiyō no nishi (1992, dt. 2000)

Der Jazzbar-Besitzer Hajime kann trotz zahlreicher Liebschaften und letztlich eingegangener Ehe seine Kindheitsliebe nicht vergessen, bis er sie schließlich wiedertrifft und ihr verfällt. Bei der Besprechung von Gefährliche Geliebte im Literarischen Quartett gerieten Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler darüber in Streit, ob es sich bei dem Buch um erotische Literatur oder einen vulgären Roman handelt, was Sigrid Löffler in der Folge zum Ausstieg aus der Sendung veranlasste.

Mister Aufziehvogel – nejimakidori kuronikuru (1994/1995, dt. 1998)

Toru Okada gibt seine Arbeit auf, um sich selbst zu finden. Dann verschwindet seine Katze, seine Frau verlässt ihn, und auf der Suche nach beiden gerät er ungewollt und unversehens in eine Kette von Ereignissen, die in eine phantastische Geschichte münden. Die japanische Originalausgabe erschien in drei Bänden, die in der Übersetzung in einem Band zusammengefasst sind.

Sputnik Sweetheart – supūtoniku no koibito (1999, dt. 2002)

K, 25 Jahre alt und Grundschullehrer, ist verliebt in seine Freundin Sumire. Doch Sumire bleibt für K unerreichbar, da sie die deutlich ältere Miu liebt. Als Sumire plötzlich verschwindet, machen sich K und Miu gemeinsam auf die Suche. Sputnik Sweetheart ist größtenteils aus der Perspektive von K erzählt; einzelne Passagen sind jedoch aus der Sicht von Sumire geschildert.

Kafka am Strand – umibe no kafuka (2002, dt. 2004)

Kafka Tamura flieht aus seiner Heimat, nachdem er die Prophezeiung erhalten hat, er werde seinen Vater töten. Parallel dazu wird die Geschichte des geistig behinderten Saturo Nakata erzählt, der die Gabe besitzt, mit Katzen zu sprechen. Wie schon in Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt wird hier abwechselnd aus zwei verschiedenen Welten erzählt, die sich miteinander vermischen.

Afterdark – afutā dāku (2005)

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein können, verbringen eine einzige Nacht auf ganz verschiedene Weise: die eine irrt schlaflos durch die Nacht, während die andere schläft und nicht aufwachen kann. Wie bereits in anderen Romanen werden auch hier die Ereignisse von zwei unterschiedlichen Seiten her entwickelt.

1Q84 – ichi kyū hachi yon (2009, dt. 2010/2011)

Aomame arbeitet als Auftragsmörderin für eine Dame, Kawana unterrichtet Mathematik und lektoriert Bücher. Beide entdecken unabhängig voneinander, dass sie sich plötzlich in einer leicht veränderten Variante des Jahres 1984 wiederfinden. 1Q84 wird im Japanischen genau so ausgesprochen wie 1984. In Japan erschien 1Q84 in drei Bänden; vom ersten wurden bereits am ersten Verkaufstag 480.000 Exemplare verkauft.

Auszeichnungen

Haruki Murakami wurde vielfach für seine Bücher ausgezeichnet. Neben zahlreichen japanischen Literaturpreisen erhielt er 2006 den Franz-Kafka-Literaturpreis und 2009 den Jerusalem-Preis für die Betonung der individuellen Freiheit in seinem Werk. Bereits seit mehreren Jahren gilt Haruki Murakami als Kandidat für den Literatur-Nobelpreis.

Privates

Haruki Murakami ist seit 1979 mit seiner Frau Yoko verheiratet. Das Paar lebt in Osio in Japan. Bildnachweis: Von Galoren.comEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link