Gottfried Benn

Redaktion


Gottfried Benn war ein deutscher Dichter, Essayist und Arzt. Er lebte von 1886 bis 1956 in Westdeutschland, davon lange Zeit in Westberlin. Benn gilt heute als einer der wichtigsten deutschen Lyriker. In seiner Lyrik schuf er neue poetische Formen und äußerte seine Gedanken mit großer Radikalität. Aufgrund seiner anfänglichen Sympathie für die Ideen und Vertreter des Nationalsozialismus war und ist er nicht unumstritten. Benn distanzierte sich jedoch schon 1934 von der NS-Ideologie und leugnete die kurze Zeitperiode als NS-Anhänger nie, sodass er ab 1948 wieder veröffentlichen konnte und großen Erfolg in der Bundesrepublik erlangte.

Leben

Kindheit und Jugend

Gottfried Benn wurde am 2. Mai 1886 im Dorf Mansfeld bei Putlitz im Kreis Westprignitz geboren, was heute zu Brandenburg zählt. Benn war das zweitälteste Kind des protestantischen Pfarrers Gustav Benn und dessen aus der Schweiz stammenden Frau Caroline. Die Familie lebte in recht bescheidenen Verhältnissen, da Gustav Benn als Landpfarrer nicht viel verdiente, und so betrieb sie nebenher eine kleine Landwirtschaft. Aufgrund dieser frühkindlichen Armut trotz der gesellschaftlich guten Stellung der Familie sollte Benn sein Leben lang unter Minderwertigkeitskomplexen zu leiden haben. Zu seiner Mutter hatte Benn ein inniges Verhältnis, die Beziehung zu seinem Vater war jedoch von Konflikten geprägt und führte schließlich zu ihrem Zerwürfnis. Die komplizierte Beziehung zwischen ihnen verarbeitete Benn auch literarisch.

Sein Vater war es auch, der Benn zu einem Studium der Evangelischen Theologie und Philosophie drängte, obwohl Benn lieber Medizin studieren wollte. Nachdem er wegen „Unfleißes“ das Studium abbrechen musste, durfte er schließlich an der Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen sein Medizinstudium antreten. Dort konnte er beinah kostenlos studieren, musste sich aber für jedes absolvierte Studienjahr zu einem Jahr Dienst als Militärarzt verpflichten.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

Gottfried Benn war weder erklärter Kriegsgegner noch von der unter Intellektuellen grassierenden Kriegsbegeisterung für den Ersten Weltkrieg infiziert. Als Kriegsarzt war er jedoch in verschiedenen Lazaretten tätig. Schon 1912 erschien Benns erster Gedichtband Morgue und andere Gedichte, der einen Skandal nach sich zog. Während des Krieges schrieb er die unter Gehirne veröffentlichten Rönne-Novellen. In den 1920er-Jahren veröffentlichte Benn etliche Gedichte, die sich jedoch von dem politischen Treiben der Zeit distanzierten.

Zeit des Nationalsozialismus und Schreibverbot

Sein Verhältnis zum Nationalsozialismus wurde heftig kritisiert, dabei stand er der NS-Ideologie durchaus kritisch gegenüber. So äußerte er sich beispielsweise in seinen Gedichten niemals nationalsozialistisch. Benn sehnte zwar einen neuen Staat herbei, war sich aber schnell bewusst, dass er falsche Hoffnungen gegenüber der NS-Ideologie gehegt hatte. Schon 1934 äußerte er sich kritisch bis distanziert gegenüber den Nationalsozialisten, wohingegen er 1933 noch in essayistischen Schriften für die NSDAP geworben hatte. Insbesondere für seine Ausführungen über die Züchtung von Menschenrassen musste er sich später erklären. Von der NS-Regierung bekam er jedoch Schreib- und öffentliches Redeverbot, da sie sein Kunstverständnis nicht teilten. Letztlich konnte das durchwachsene Verhältnis Gottfried Benns zum Nationalsozialismus nie abschließend geklärt werden.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende wurde das Schreibverbot zunächst aufrecht erhalten. Erst 1948 durfte Benn in Westdeutschland wieder veröffentlichen. Benn leugnete seine anfängliche Begeisterung für den Nationalsozialismus nie und bekannte öffentlich, sich in ihm geirrt zu haben. Ab 1949 konnte Benn sich über wachsenden Erfolg freuen und veröffentlichte vier Bücher in einem Jahr. Sein großer Erfolg rief jedoch auch Kritiker auf den Plan, die die Würdigung eines ehemaligen Freundes der Nationalsozialisten ablehnten.

Gottfried Benn starb am 7. Juli 1956 70-jährig an den Folgen von Knochenkrebs in Berlin. Er war dreimal verheiratet und hat eine Tochter. Zudem unterhielt er zahlreiche Liebschaften, unter anderem zu der Dichterin Else Lasker-Schüler.

Themen der Werke

Heute ist Gottfried Benn zu den einflussreichsten deutschen Dichtern der Moderne zu zählen. Sein Frühwerk ist entschieden vom Expressionismus geprägt. Ein wichtiges Thema war für ihn immer das Selbstbild des Menschen in einer Welt, die streng technik- und fortschrittsgläubig ist. Sein Werk ist dabei von einer besonderen Radikalität durchzogen.

Benn setzte sich vielfach mit der modernen Naturwissenschaft und ihrem Verzicht auf jegliche Metaphysik auseinander. Da er selbst Mediziner war, sah er sich als Teil dieser naturwissenschaftlichen Welt an und litt teilweise unter depressiven Episoden in seinem Leben. Seinen Hang fürs Radikale konnte man schon an der anfänglichen Unterstützung für die Nationalsozialisten erkennen, die wie Benn den Staat in seiner damaligen Form grundlegend verändern wollten. In seinem literarischen Werk brach Gottfried Benn radikal mit etablierten poetischen Formen und verarbeitete vor allem Erlebnisse aus der Medizin- und Arztwelt. Chirurgische Eingriffe und schwere Krankheiten beschrieb er scheinbar emotionslos und bediente sich mitunter einer recht gewalttätigen Schreibweise.

Werke

Gottfried Benn ist vor allem als Lyriker bekannt, veröffentlichte aber auch viele Prosatexte und promovierte über „Die Häufigkeit des Diabetes mellitus im Heer“.

  • Morgue und andere Gedichte
  • Söhne. Neue Gedichte
  • Gehirne. Novellen
  • Fleisch. Gesammelte Lyrik
  • Diesterweg. Eine Novelle
  • Das moderne Ich
  • Schutt
  • Der neue Staat und die Intellektuellen
  • Kunst und Macht
  • Statische Gedichte
  • Trunkene Flut. Ausgewählte Gedichte
  • Doppelleben
  • Destillationen. Neue Gedichte

Auszeichnungen

Mit dem Georg-Büchner-Preis, dem renommiertesten Literaturpreis im deutschen Sprachraum, erreichte Benns Karriere 1951 ihren Höhepunkt. Zwei Jahre später wurde er mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 1956 wurde ihm posthum der Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Gottfried Benn genoss zu Zeiten seines Todes solch große Anerkennung, dass er sogar für den Nobelpreis für Literatur vorgeschlagen wurde.

Bildnachweis: By Bundesarchiv_Bild_183-1984-1116-500,_Gottfried_Benn-Arzt_und_Schriftsteller.jpg: o.Ang.derivative work: Алексей Скрипник (talk) – Bundesarchiv_Bild_183-1984-1116-500,_Gottfried_Benn-Arzt_und_Schriftsteller.jpg, CC BY-SA 3.0 de, Link

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