Tropische Regenwälder gehören zu den reichsten und interessantesten Gebieten der Erde. Neben unzähligen Pflanzenarten sind in tropischen Regenwäldern etwa 80% der weltweit dokumentierten Tierarten zu finden. Dabei bedecken sie nur etwa 7% der Erdoberfläche.

 Was ist ein tropischer Regenwald?

Der tropische Regenwald wächst innerhalb von 28 Grad nördlich oder südlich des Äquators. Es handelt sich dabei um sehr feuchte Gebiete, die jährlich mehr als 200 cm Niederschlag erhalten. Die Temperaturen liegen gleichmäßig zwischen 20 °C und 35 °C.

Die Bäume im tropischen Regenwald unterscheiden sich deutlich von Bäumen aus gemäßigten Wäldern. Im Regenwald wachsen sie zu gigantischen Größen.

Ein tropischer Regenwald besteht aus mehreren Schichten. Die oberste Vegetationsschicht besteht aus vereinzelten hohen Bäumen. Sie erheben sich über das geschlossene Dach der Kronen, das von anderen Bäumen gebildet wird. Unter diesem Dach befindet sich eine dritte Schicht, die aus kleineren Bäumen besteht, deren Kronen sich nicht treffen. Darunter liegt eine Schicht, die aus holzigen und krautigen Sträuchern besteht. Schließlich gibt es noch die Bodenschicht, die sehr wenig Sonnenlicht erhält.

Wo gibt es den tropischen Regenwald?

Tropische Regenwälder liegen in einem Band um den Äquator (Null-Breitengrad), meist im Bereich zwischen dem Wendekreis des Krebses (23,5° N Breitengrad) und dem Wendekreis des Steinbocks (23,5° S Breitengrad). Dieses 4.800 km breite Band wird als Tropen bezeichnet. Der Äquator ist ein imaginärer Kreis um die Erde, auf halbem Weg zwischen Nord- und Südpol. Die Temperaturen am Äquator sind hoch. Sie führen zu einer beschleunigten Verdunstung des Wassers, was die Ursache für die häufigen Regenfälle in den bewaldeten Gebieten ist. Regenwälder gibt es in Süd- und Mittelamerika, Afrika, Ozeanien (die Inseln um Australien) und Asien. Tropische Regenwälder stellen die älteste noch vorhandene Hauptvegetationsform auf der Erdoberfläche dar.

Lebensraum für Tiere

Da tropische Regenwälder zu den ältesten Ökosystemen der Erde gehören, beherbergen sie eine vielfältige Population von Pflanzen und Tieren. Tatsächlich sind hier rund 50% der weltweiten Flora und Fauna zu finden und es werden immer noch neue Arten entdeckt.

Die berühmtesten Säugetiere im Regenwald sind wohl die verschiedenen Affenarten. Daneben sind auch Faultiere, Tapire, Jaguare, Ozelots, Kinkajous, Lemuren und Agutis im Regenwald beheimatet. Die warme, feuchte Umgebung ist auch ein idealer Lebensraum für Reptilien und Amphibien. Viele Arten von Fröschen, Salamandern, Schlangen und Eidechsen sind in fast jeder Schicht des Waldes zu finden. Schmetterlinge und Motten sind auch in den Tropen reichlich vorhanden.

Regenwälder sind in ihrer Vielfalt an Vogelarten unübertroffen. Einige Vögel wie Kolibris, Harpyie-Adler, Brilleneulen, Tukane, Aras, Quetzale, Nashornvögel und Finken sind ganzjährig in den Wäldern zu Hause. Andere sind temporäre Bewohner und verbringen nur den Winter in tropischen Regenwäldern.

Die größte Apotheke der Welt

Über 200.000 Pflanzenarten gedeihen in tropischen Regenwäldern. Diese Fülle ist auf die warme, feuchte Umgebung zurückzuführen und umfasst einige der schönsten und interessantesten Pflanzenarten wie Orchideen, Gummibäume, Passionsblumen, Mahagonibäume und Weihnachtssterne.

Alle Pflanzen im Regenwald bieten Nahrung und Schutz für die Tiere und wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um. Der Wettbewerb um Licht und Nahrung auf dem Boden hat zu einer einzigartigen Einwicklung geführt. Einige Pflanzen leben von den Zweigen anderer und nutzen Luftwurzeln, um sich zu ernähren. Andere, wie die Würgefeige, wickeln sich so um große Bäume, dass sie Wasser aus ihnen pressen.

Tropische Regenwaldpflanzen tragen auch zur modernen Medizin bei. Etwa 25 % aller heute auf dem Markt befindlichen Medikamente stammen von Pflanzen, die nur in tropischen Regenwäldern vorkommen. Dazu gehören Behandlungen für eine Vielzahl von Krebsarten, Malaria, Multiple Sklerose, Parkinson, Bluthochdruck und mehr. Aber es gibt noch sehr viel ungenutztes Potenzial. Laut Michael Blalick, Direktor des Institute of Economic Botany, wurden bisher von allen bekannten Pflanzenarten weniger als 3 Prozent auf ihren medizinischen Nutzen hin getestet.

Die Heimat von Menschen

Die tropischen Regenwälder der Welt sind die Heimat vieler Stammesvölker, aber tragischerweise wurden die meisten der einheimischen Stämme bereits zerstört.

Mehr als 1.000 Regenwaldkulturen gibt es noch, aber fast alle von ihnen sehen aufgrund der Entwicklungspläne der herrschenden Eliten in ihren Ländern und internationaler Unternehmen einer düsteren Zukunft entgegen. Ihre Ländereien werden eingenommen, ihre Grundrechte missachtet, und oft wird sogar ihre bloße Existenz ignoriert.

Diese Regenwaldkulturen besitzen einen riesigen Wissensschatz. Von ihnen können wir lernen, nachhaltig innerhalb der Grenzen, die das Ökosystem des Planeten erfordert, zu leben. Die Stämme haben gelernt, den Reichtum ihrer Wälder zu ernten, ohne sie zu zerstören. Sie verfügen über einen Fundus an medizinischem Pflanzenwissen und ein grundlegendes Verständnis der einheimischen Flora und Fauna. Regenwaldkulturen leben seit Jahrtausenden erfolgreich im Regenwald.

Waldkulturen verlieren nicht nur ihre Wälder, sondern auch ihre jüngeren Generationen, an die sie ihr traditionelles Wissen weitergeben wollen. Seit dem Einfall der westlichen Zivilisation streben die Jugendlichen nach dem Reichtum der westlichen Welt und all ihrer Technologien, ohne die Weisheit ihrer Ältesten zu beachten.

Bei den Strategien zur Nutzung und Erhaltung der Tropenwälder müssen in erster Linie die Rechte der traditionellen Bewohner*innen dieser Gebiete geachtet werden. Die Gewährleistung der Rechte der indigenen Völker ist oft ein wichtiger erster Schritt zu einem qualitativ hochwertigen Schutz der Regenwälder.

Die grüne Lunge der Erde ist in Gefahr

Tropische Regenwälder haben die größte lebende Biomasse und weisen einige der höchsten Raten an terrestrischer Biodiversität auf. Aber der Regenwald ist vielleicht der am Stärksten gefährdete Lebensraum der Erde und am anfälligsten für Abholzung. Jedes Jahr werden rund 140.000 Quadratkilometer Regenwald zerstört.

Regenwälder werden wegen ihres Holzes abgeholzt und gerodet, um Platz für die Landwirtschaft zu schaffen. Die am meisten gefährdeten Regenwälder sind die in Westafrika, wo sich die menschliche Bevölkerung alle 20 Jahre verdoppelt. Aber auch Mittelamerika und Südostasien sind bedroht.

Obwohl in Zentralafrika und Südamerika noch große Teile des Regenwaldes vorhanden sind, verschwinden auch diese in alarmierender Geschwindigkeit. Die Waldschädigung und Entwaldung in tropischen Ländern ist ein großes ökologisches, soziales und wirtschaftliches Problem. Das wird auch in Zukunft so bleiben, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden. Die Zeit ist kurz, um die verbleibenden Regenwälder und die schöne Biodiversität, die sie beherbergen, für künftige Generationen zu erhalten.

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